Due Diligence für Business Angels: Welche Themen aus rechtlicher Sicht wichtig sind
Wer als Business Angel in ein Startup investiert, investiert nicht nur in eine Idee, sondern auch in eine rechtliche Struktur. Gerade in frühen Finanzierungsrunden wird die Due Diligence oft pragmatisch gehalten. Trotzdem sollten bestimmte rechtliche Themen immer geprüft werden, um spätere Überraschungen zu vermeiden.
Gehört das Unternehmen wirklich den Gründern?
Ein erster Blick sollte immer der gesellschaftsrechtlichen Struktur gelten. Wichtig sind insbesondere:
Handelsregister
Aktienbuch und Belege zu früheren Aktienübertragungen
Vorbestehende Aktionärbindungsverträge
Mitarbeiterbeteiligungsprogramme und bereits ausgegebene Wandeldarlehen oder Optionen
Für Investoren ist entscheidend zu wissen, wem welche Anteile tatsächlich zustehen und ob spätere Verwässerungen oder andere Einschränkungen von gesetzlichen Aktionärsrechten drohen.
Gibt es laufende Streitigkeiten oder regulatorische Risiken?
Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft laufende oder drohende Rechtsstreitigkeiten. Je nach Geschäftstätigkeit des Unternehmens sollten auch relevante regulatorische Themen geprüft und entsprechende Auskünfte verlangt werden. Dazu gehören insbesondere Informationen zu:
Anhängigen Gerichtsverfahren
Streitigkeiten mit Mitarbeitenden
behördlichen Abmahnungen oder Administrativverfahren
notwendigen Bewilligungen oder Lizenzen
Nicht jedes Verfahren ist automatisch ein Dealbreaker. Entscheidend ist vielmehr, ob die Risiken bekannt, beherrschbar und transparent kommuniziert sind.
Wichtige Verträge und Schutz des geistigen Eigentums
Für viele Startups ist das geistige Eigentum der wichtigste Unternehmenswert. Umso wichtiger ist die Frage: Gehören Software, Patente oder Marken tatsächlich der Gesellschaft? Dazu sollte insbesondere folgendes geprüft werden:
Arbeits- und Freelancerverträge
Regelungen zur Übertragung von IP-Rechten
Relevante IP-Register
Rechte an Software und deren Lizenzen
Ein häufiger Fehler in der Frühphase: Gründer arbeiten ohne schriftlichen Vertrag und es fehlen klare Regelungen zu Lohnansprüchen oder anderen Entschädigungen. Unklare Rechtsverhältnisse mit Mitarbeitenden oder der vorzeitige Ausstieg von Gründern führen daher häufig zu Rechtsstreitigkeiten.
Fehlt eine wirksame Übertragung von IP-Rechten, kann dies später erhebliche Probleme bei Folgefinanzierungen oder Exits verursachen.
Allgemeine Geschäftsbedingungen und Datenschutz
Vollständige, klare und rechtssichere allgemeine Geschäftsbedingungen sowie die Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorschriften sind insbesondere bei KI-, SaaS- oder Plattformgeschäftsmodellen sehr wichtig.
Auch wenn in frühen Phasen nicht jede Dokumentation perfekt ist, sollte zumindest ein erkennbares Bewusstsein für zivilrechtliche Haftungsrisiken und regulatorische Rahmenbedingungen vorhanden sein.
Eine Due Diligence muss bei einem Angel-Investment nicht dieselbe Tiefe haben wie bei einer Geschäftsübernahme. In der Praxis empfiehlt es sich, zunächst eine Red-Flag-Prüfung durchzuführen. Weitere Punkte lassen sich in der Regel durch einen gut strukturierten Datenraum und eine kompakte Dokumentencheckliste effizient prüfen.